1901: Normannische Gräfin und Pariser Dichter kurven durchs Siebengebirge, vis-à-vis im offenen Auto

Kostprobe / Mi, 11.02.2026, 18 Uhr

Im August 1901 reiste Elinor Vicomtesse de Milhau in einem Erbschaftsfall aus Paris ins Siebengebirge. Als Eleonor Hölterhoff aus einer Familie des rheinischen Großbürgertums war sie mit einem Grafen aus der Normandie verheiratet. Die lebhafte und wagemutige 36-Jährige, gerade Witwe geworden, kaufte sich eine Voiturette Vis-à-vis von de Dion-Bouton, einen weltweit erstmals serienmäßig hergestellten Personenkraftwagen der damals führenden Motorenfabrik in Paris. Ihr Reisebegleiter und Wagenknecht fürs Grobe war der 21-jährige Hauslehrer ihrer Tochter Gabrielle, Wilhelm de Kostrowitzky, der spätere Dichter Guillaume Apollinaire.

In seinem Vortrag widmet sich Professor Kurt Roessler dieser damals für eine Frau von Stand noch ungewöhnlichen und überaus sportlichen Acht-Tage-Fahrt über Reims, Luxemburg, Trier und Koblenz und thematisiert auch weitere Fahrten zwischen 1901 und 1902 am Rhein, die sich durch Apollinaires Tagebuchnotizen und literarische Werke nachzeichnen lassen. Sie belegen auch die besondere Rolle der Gräfin für die Wende des Dichters vom Symbolismus zur Moderne. Zugleich berührt der Vortrag ein interessantes Kapitel in der Kultur- und Industriegeschichte des Siebengebirges zur Zeit der frühen Motorisierung um 1900.

Der emeritierte Astrophysikchemiker Prof. Kurt Roessler, 1939 in Köln geboren, beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit literaturgeschichtlichen Themen, insbesondere mit Guillaume Apollinaire und Ferdinand Freiligrath sowie der rheinischen Spätromantik. Er ist Gründer des Rheinischen Freundeskreises Guillaume Apollinaire und des Freiligrath-Arbeitskreises sowie seit 1986 Vorstandsmitglied der Internationalen Apollinaire-Gesellschaft.

In der Veranstaltungsreihe "Kostprobe" wird ein Thema vorgestellt: An einen kurzen Vortrag schließt sich der Besuch der entsprechenden Ausstellungsbereiche an. Dazu gibt es die Gelegenheit, einen Wein aus der Region zu kosten.

Kostenbeitrag: 7 Euro, ermäßigt 5,50 Euro
Dauer: ca. 1 Stunde

Pressemitteilung, Königswinter, 05.02.2026