Stolpersteinverlegung in Königswinter. Gedenkaktion für die Opfer nationalsozialistischen Verfolgung

Am 16. März 2026 wurden in der Königswinter-Altstadt sowie in Oberdollendorf weitere Stolpersteine verlegt. Die Verlegung der Stolpersteine erfolgt an den letzten frei gewählten Wohnorten der Opfer: in der Hauptstraße 380, der Grabenstraße 16 sowie in der Heisterbacher Straße 103.

Mit dieser Gedenkaktion wird an das Schicksal von Irmgard Stefanie Steinhardt, Heinrich Weich sowie Julius und Ottilie Wolff erinnert – Menschen, die einst Teil der Stadtgesellschaft waren und Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden.

Die diesjährige Verlegung macht die Lebensgeschichten von vier ehemaligen Bürgerinnen und Bürgern sichtbar:

Irmgard Stefanie Steinhardt, geboren 1897 in Koblenz, lebte seit 1934 mit ihrer Tochter in Königswinter. Trotz ihrer Taufe blieb sie nach den nationalsozialistischen Rassegesetzen als Jüdin verfolgt. 1942 wurde sie über verschiedene Stationen deportiert und im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Das Schicksal ihrer Tochter ist bis heute ungeklärt.

Heinrich Weich, 1907 in Hamburg geboren, arbeitete viele Jahre als Metzgergeselle in Königswinter und war eng in das Leben der Familie eingebunden, bei der er lebte. 1937 wurde er von der Gestapo verhaftet und 1938 im Zuge der sogenannten „Polenaktion“ deportiert. Nach der Internierung im Lager Bentschen wurde er 1939 in Nowy Tomyśl ermordet.

Julius Wolff, geboren 1878 in Oberdollendorf, und seine Ehefrau Ottilie Wolff, geborene Marx (1892), betrieben eine Metzgerei und Pension und waren fest im jüdischen Gemeindeleben verankert. Mit zunehmender Verfolgung mussten sie ihren Betrieb 1937 aufgeben und wurden später in Köln zwangsweise interniert. Von dort erfolgte die Deportation nach Theresienstadt. Julius Wolff starb dort 1942, Ottilie Wolff wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Bürgermeisterin Heike Jüngling unterstrich in ihrer Ansprache die Besonderheit dieser Aktion: „Die Verlegung eines Stolpersteins ist ein sichtbares Zeichen des Erinnerns und der Verantwortung. Sie bringt die Geschichte der Opfer zurück in den Alltag und macht deutlich, dass Ausgrenzung und Verfolgung nicht fern, sondern mitten in der eigenen Nachbarschaft stattfanden. Die Stadt Königswinter unterstützt diese Form der dezentralen Erinnerungskultur ausdrücklich. Sie trägt dazu bei, den Opfern ihre Namen und ihre Würde zurückzugeben und mahnt zugleich, Verantwortung für eine offene, demokratische Gesellschaft zu übernehmen.“

Die Aktion „Stolpersteine für Königswinter“ wird von Gabriele Wasser geleitet. Für die diesjährigen Stolpersteine hat die Bürgerstiftung Königswinter die Patenschaft übernommen. Einzelne Patenschaften wurden durch Manuela Roßbach (für Heinrich Weich) sowie Thomas Mauel (für Julius Wolff) ermöglicht. Allen Unterstützerinnen und Unterstützern gilt ein besonderer Dank.

Das Projekt „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig besteht seit 1992 und gilt heute als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Kleine, im Boden eingelassene Gedenktafeln erinnern europaweit an Menschen, die durch das nationalsozialistische Regime verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Allein in Nordrhein-Westfalen wurden bereits mehr als 17.000 Steine verlegt. Die NRW-Steine sind in der App https://stolpersteine.wdr.de gelistet. Die App mit interaktiver Karte erzählt die Geschichten der Menschen hinter den Stolpersteinen in Nordrhein-Westfalen.

Pressemitteilung, Königswinter, 18.03.2026