Kommunale Wärmeplanung für Königswinter startet
Mit der am 28. September 2026 im Stadtrat beschlossenen kommunalen Wärmeplanung wird die Grundlage für eine zukunftsfähige und klimaneutrale Wärmeversorgung von Königswinter geschaffen. Bürgerinnen und Bürger können sich beteiligen und werden mit unabhängigen Informationen begleitet.
Wie kann die Wärmewende in Königswinter unter den örtlichen Bedingungen gelingen? Welche Potenziale bieten erneuerbare Wärmequellen, unvermeidbare Abwärme und Energieeinsparungen? Wo sind Wärmenetze sinnvoll, wo dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen?
Diesen Fragen geht die Kommunale Wärmeplanung (KWP) nach, die nun für Königswinter erarbeitet wird und bis Ende 2027 abgeschlossen werden soll. Als gesetzliche Pflichtaufgabe klärt sie frühzeitig, wie die Wärmeversorgung langfristig sicher, bezahlbar und klimafreundlich gestaltet werden kann – als Orientierung für Bürgerschaft, Unternehmen, Wohnungswirtschaft und Verwaltung.
Mit der Erstellung hat die Stadt nach Abschluss eines Vergabeverfahrens die Rhein-Sieg Netz GmbH beauftragt, gemeinsam mit der rhenag Rheinische Energie AG und der greenventory GmbH, einer Ausgründung aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE).
Aufbau und Inhalte der Wärmeplanung
In einem ersten Schritt werden alle bestehenden und geplanten Gebäude, deren Wärmebedarf, Heiztechnologien und Infrastrukturen analysiert. Alle Daten werden anonymisiert, also nicht personenbezogen und datenschutzkonform erfasst.
Der nächste Schritt ist eine Potenzialanalyse: Hierbei wird ermittelt, wie hoch das Energie-Einsparpotenzial z.B. durch Sanierungen im Gebäudebestand ist und welche klimaneutralen Wärmequellen bereits vorhanden sind bzw. nutzbar gemacht werden können.
Auf Basis dieser Ergebnisse wird ein “klimaneutrales Zielszenario 2040” erstellt, aus dem die zukünftigen Wärmeversorgungsgebiete abgeleitet werden können. Grundlage ist ein sogenannter “digitaler Zwilling”, d.h. ein digitales Abbild der realen Gegebenheiten, das die einzelnen Versorgungsgebiete visualisiert.
Im letzten Schritt werden auf Basis von Detailanalysen konkrete Maßnahmen abgeleitet und in eine Wärmewendestrategie überführt. Die Ergebnisse der KWP werden aufzeigen, welche Versorgungsoptionen in den verschiedenen Ortsteilen von Königswinter tragfähig sind, um die schrittweise, klimaneutrale Wärmeversorgung bis zum Jahr 2040 zu ermöglichen. Sie dient damit als Ausgangspunkt für spätere Machbarkeitsstudien und Investitionen. Eine Fortschreibung ist ca. alle fünf Jahre vorgesehen.
Ob und wann eine bestimmte Straße an ein Wärmenetz angeschlossen wird oder welche Kosten dafür entstehen, wird der Wärmeplan allerdings nicht beantworten. Dies bleibt nachgelagerten Planungen vorbehalten.
„Die Kommunale Wärmeplanung ist der Beginn einer wichtigen und gesetzlich verankerten Wärmewende weg von fossilen Brennstoffen – hin zu erneuerbaren Quellen“, erläutert Antje Fehr, Projektleiterin und Leiterin der Stabsstelle Klimaschutz der Stadt Königswinter. „Das Festhalten an fossiler Wärmeversorgung kann zur Kostenfalle werden. Die Preise für Heizöl und Erdgas sind im Vergleich zum Vorjahr bereits um etwa 60 bzw. 30 Prozent gestiegen und werden perspektivisch aufgrund von Knappheiten und geopolitischen Abhängigkeiten weiter steigen. Dazu kommen steigende Netzentgelte und CO2-Preise.“
Beteiligung und Beratung
Die Stadt Königswinter will ihre Bürgerinnen und Bürger auf dem Weg der Wärmewende mitnehmen und beteiligen. Während der Erstellung des Wärmeplans werden zwei Bürgerforen angeboten. Zu den Ergebnissen können vor der Finalisierung zudem Stellungnahmen abgegeben werden.
Ergänzend unterstützt die Stadt mit unabhängigen Informations- und Beratungsangeboten. Einen ersten Baustein bildete die Themeninsel Energie beim Apfelsonntag in Oberpleis. Darüber hinaus findet am 06. Oktober 2026 im Klimabüro der Stadt Königswinter von 14 bis 18 Uhr eine kostenlose kommunale Energieberatungs-Sprechstunde der Verbraucherzentrale NRW statt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich dort in Einzelgesprächen zu Themen wie energetische Sanierung, Heizungsmodernisierung, erneuerbaren Energien oder Fördermöglichkeiten beraten lassen. Die Anmeldung ist per E-Mail unter Angabe der Telefonnummer an rheinsiegkreis.energie@verbraucherzentrale.nrw möglich.
Zudem wird sich die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Verein Klimagruppe Königswinter am „Tag des offenen Heizungskellers“ am 21. November 2026 beteiligen. Eröffnet wird der Tag mit einem Vortrag für Wärmepumpen-Interessierte im Klimabüro der Stadt. Anschließend können an verschiedenen Orten in der Stadt klimafreundliche Heizungslösungen in privaten Kellern besichtigt werden. Weitere Informationen finden sich unter: offenerheizungskeller.de
Die städtische Internetseite wird unter der Rubrik „Klima & Mobilität“ kontinuierlich um Informationen zur KWP ergänzt.
Handlungsempfehlung
Wer eine Sanierung oder einen Heizungstausch plant, sollte sich bereits jetzt informieren. Maßnahmen müssen nicht bis zum Abschluss der Wärmeplanung warten – auch wenn die KWP eine zusätzliche Orientierung bietet. Energieeinsparungen können zudem einen Heizungstausch sinnvoll vorbereiten und optimieren.
Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz, das die Wahl der Heiztechnik ermöglicht, aber den Rahmen zur schrittweisen Minderung der Treibhausgasemissionen im Gebäudebereich setzt. Da Eignung, Kosten und Förderungen je nach Gebäude und Technik stark variieren, ist eine unabhängige Beratung entscheidend.
Ein Umstieg auf erneuerbare Wärme schützt vor steigenden fossilen Brennstoffkosten, stärkt das Handwerk sowie die regionale Wertschöpfung und hilft, langfristige Klimafolgekosten zu begrenzen.
Pressemitteilung, Königswinter, 29.09.2026
